Was OpenAI am 29. September vorgestellt hat
Der OpenAI DevDay 2026 fand am 29. September in San Francisco statt. Im offiziellen Rückblick zählt OpenAI mehr als 20 größere Ankündigungen aus fünf Bereichen auf: neue Arbeitsformen mit Agenten, Modelle und Entwicklerwerkzeuge, Plugins, Zusammenarbeit sowie neue Möglichkeiten für bestehende ChatGPT-Abonnements.
Die Menge macht eine nüchterne Einordnung nötig. Nicht jede Ankündigung ist ein fertiges Produkt für alle Nutzer. Einige Funktionen sind bereits allgemein verfügbar, andere gelten nur für bestimmte Tarife oder Märkte. Die Decisions API startet etwa in einer begrenzten Vorschau, GPT-6.1 Sol Ultrafast soll erst folgen und kollaborative Präsentationen wurden für die kommenden Wochen angekündigt.
Dieser Überblick konzentriert sich deshalb auf die Änderungen mit der größten praktischen Tragweite. Er stützt sich auf OpenAIs offiziellen DevDay-Rückblick und die verlinkten Produktseiten. Leistungswerte und Verfügbarkeitsaussagen sind Herstellerangaben, keine unabhängigen Testergebnisse.
Ereignisdatum: 29. September 2026. Bestätigt ist der offizielle DevDay-Rückblick. Verfügbarkeit und Leistungsangaben stammen von OpenAI und unterscheiden sich je nach Tarif, Markt und Produkt.
GPT-6.1 Sol und Ultrafast: mehr Leistung und mehr Geschwindigkeit
GPT-6.1 Sol ist die wichtigste Modellankündigung des DevDay. OpenAI beschreibt es als deutlich verbessertes Sol-Modell für agentisches Coding, Computersteuerung und professionelle Wissensarbeit. Nach Herstellerangaben nähert es sich in mehreren eigenen Auswertungen GPT-6 Astra an, kostet bei den regulären Ein- und Ausgabetokens aber ein Fünftel von Astra.
In der API kostet GPT-6.1 Sol laut OpenAI 2 US-Dollar pro Million Eingabetokens, 0,10 US-Dollar pro Million zwischengespeicherter Eingabetokens und 10 US-Dollar pro Million Ausgabetokens. Das Modell ist unter der Kennung gpt-6.1-sol in der API sowie in ChatGPT Work und Codex verfügbar. In der gewöhnlichen Chat-Ansicht war es zum Veröffentlichungszeitpunkt noch nicht verfügbar.
Mit Ultrafast führt OpenAI zusätzlich einen kostenpflichtigen Geschwindigkeitsmodus ein. Für GPT-6 Astra nennt der Hersteller bis zu 300 Tokens pro Sekunde und bis zu achtmal schnellere Ausgabe in Codex beziehungsweise bis zu sechsmal schnellere Ausgabe in der API. Astra Ultrafast ist bereits in ausgewählten Angeboten verfügbar; GPT-6.1 Sol Ultrafast wurde nur als kommende Funktion angekündigt.
- GPT-6.1 Sol: verfügbar in API, Codex und ChatGPT Work
- Regulärer API-Preis: 2 US-Dollar Eingabe und 10 US-Dollar Ausgabe pro Million Tokens
- Zwischengespeicherte Eingabe: 0,10 US-Dollar pro Million Tokens
- Ultrafast für GPT-6 Astra: laut OpenAI bis zu 300 Tokens pro Sekunde
- GPT-6.1 Sol Ultrafast: angekündigt, aber beim DevDay noch nicht verfügbar
Dots: dauerhafte Agenten statt einzelner Chats
Dots sind OpenAIs Versuch, aus einem Chatbot einen dauerhaft arbeitenden Agenten zu machen. Ein Dot kann mit verbundenen Anwendungen und einem eigenen Cloud-Computer wiederkehrende Aufgaben übernehmen, Kontext über längere Zeit behalten und im Hintergrund weiterarbeiten. OpenAI nennt Pro und Business Premium als verfügbare Tarife in berechtigten Märkten; für Enterprise, Edu und Healthcare startet eine vom Administrator aktivierbare Beta.
Der Unterschied zu einem normalen Chat liegt im Arbeitsmodell. Menschen sollen nicht jede einzelne Anfrage neu starten, sondern einem Agenten einen Verantwortungsbereich geben. Das kann etwa die Vorbereitung regelmäßiger Berichte, die Pflege gemeinsamer Informationen oder die Koordination mehrerer Arbeitsschritte betreffen.
Gerade hier fehlen noch wichtige Erfahrungswerte. Dauerhafte Agenten brauchen klare Berechtigungen, nachvollziehbare Aktivitätsprotokolle, Kostenlimits und eine sichere Möglichkeit zum Stoppen. OpenAI beschreibt die Produktidee und erste Kontrollen, veröffentlicht im DevDay-Rückblick aber keine unabhängigen Langzeitdaten zu Fehlerquote, Aufsicht oder Gesamtbetriebskosten.
Dots sind laut OpenAI in berechtigten Märkten verfügbar. Ein allgemeiner weltweiter Zugang oder eine vollständige Funktionsgleichheit in allen Tarifen ist damit nicht bestätigt.
Codex und Agents API rücken näher zusammen
Codex kann laut OpenAI nun Aufgaben in der Cloud ausführen, auch wenn der eigene Rechner geschlossen ist. Wiederverwendbare Entwicklungsumgebungen sollen dafür sorgen, dass Teams mit gemeinsamen Einstellungen und Berechtigungen starten. Die überarbeitete Codex-CLI ergänzt Sprachsteuerung und eine Ansicht für mehrere parallel delegierte Agenten. In der Desktop-App kommt außerdem eine Review-Oberfläche für Zusammenfassungen, Diffs und Rückfragen zu Pull Requests oder Merge Requests hinzu.
Codex Security Cloud erweitert diesen Ansatz auf Sicherheitsprüfungen. Repositories können laut Anbieter einmalig oder regelmäßig gescannt werden. Das System untersucht Funde, fasst Dubletten zusammen und bereitet Korrekturen vor. Verfügbar ist die Funktion nach OpenAIs Angaben für Pro, Business, Enterprise und Edu auf Desktop und Web.
Für eigene Anwendungen ist die Agents API entscheidend. Sie unterstützt nun Computersteuerung und soll Codex-Funktionen wie mehrere Agenten, Werkzeugsuche, Tool-Aufrufe und Kontextkomprimierung bereitstellen. OpenAI betreibt die zugrunde liegende Infrastruktur. Das senkt den technischen Einstieg, verlagert aber einen Teil der Abhängigkeit, Kostenkontrolle und Fehlerbehandlung zum Plattformanbieter.
- Codex-Aufgaben in wiederverwendbaren Cloud-Umgebungen
- Sprachsteuerung und Mehr-Agenten-Ansicht in der CLI
- Code Review mit Diffs, Zusammenfassungen und Rückfragen
- Geplante oder manuelle Repository-Scans mit Codex Security Cloud
- Computersteuerung und Multi-Agent-Funktionen in der Agents API
Plugins werden zu echten Arbeitsoberflächen
Plugin-Erweiterungen können künftig eigene Einträge in der Seitenleiste, interaktive Arbeitsflächen und Betrachter für bestimmte Dateitypen bereitstellen. Entwickler erhalten damit mehr Gestaltungsspielraum als bei einer reinen Werkzeugverbindung im Hintergrund. OpenAI öffnet nach eigener Darstellung Teile der Plattform, die auch für interne ChatGPT-Funktionen verwendet werden.
Zusätzlich überarbeitet OpenAI Erstellung, Einreichung und Auffindbarkeit. Ein Plugin Creator soll beim Aufbau helfen, der Prüfprozess soll transparenter werden und Empfehlungen sollen passende Erweiterungen direkt in Gesprächen sichtbar machen. Nutzer müssen ein Plugin weiterhin auswählen und den jeweiligen Zugriff genehmigen.
Mit MCP Events können verbundene Anwendungen Automationen auslösen. Ein neues Ereignis in einem Projektboard könnte dann beispielsweise einen Agenten starten, der verknüpfte Dokumente liest und einen Plan vorbereitet. OpenAI spricht von Unterstützung für eine vorgeschlagene MCP-Events-Spezifikation. Unternehmen sollten daher vor einem Einsatz prüfen, welche Teile bereits stabil standardisiert sind und welche noch verändert werden können.
Spaces, Pages und Teams: ChatGPT wird kollaborativer
ChatGPT Space ist als gemeinsamer Arbeitsbereich für Teammitglieder, ChatGPT und Dots gedacht. Dort können Dateien, Anweisungen und gemeinsames Wissen zusammengeführt werden. Pages ergänzen bearbeitbare Dokumente, in denen Menschen und Agenten Texte, Recherchen, Diagramme, Bilder oder Visualisierungen gemeinsam weiterentwickeln können.
Für Business und Enterprise kündigt OpenAI Teams und Team Tasks an. Gruppen können Inhalte und Plugins teilen sowie wiederkehrende Aufgaben gemeinsam verwalten. ChatGPT kann verbundene Werkzeuge zeitgesteuert oder durch Ereignisse nutzen. Erwähnungen von @ChatGPT in Slack und Microsoft Teams sollen dieselben verbundenen Werkzeuge unter den jeweiligen Berechtigungen verwenden können.
Kollaborative Präsentationen waren beim DevDay noch nicht fertig. OpenAI kündigte sie für die kommenden Wochen an, einschließlich gleichzeitiger Bearbeitung und Export nach PowerPoint oder Google Slides. Wer heute plant, sollte diese Funktion deshalb nicht als bereits zugesicherte Produktionsfähigkeit behandeln.
- ChatGPT Space: gemeinsamer Kontext für Teams und Agenten
- Pages: bearbeitbare Dokumente für menschliche und agentische Zusammenarbeit
- Team Tasks: wiederkehrende Aufgaben in Business und Enterprise
- @ChatGPT in Slack und Microsoft Teams
- Kollaborative Präsentationen: angekündigt, noch nicht allgemein verfügbar
Was sofort verfügbar ist und was noch offen bleibt
Die DevDay-Ankündigungen haben sehr unterschiedliche Reifegrade. GPT-6.1 Sol, die neue Codex-CLI, Code Review und Plugin-Erweiterungen beschreibt OpenAI als verfügbar. Die Decisions API startet dagegen nur in begrenzter Vorschau. Private Inference ist für den Herbst angekündigt, GPT-6.1 Sol Ultrafast soll folgen und kollaborative Präsentationen sollen in den kommenden Wochen erscheinen.
Auch bei verfügbaren Produkten gelten Einschränkungen. Dots sind auf bestimmte Tarife und berechtigte Märkte begrenzt. Einige Agentenfunktionen setzen Pro 500 oder Enterprise voraus. Meetings startet als Beta auf macOS. Plan- und Marktgrenzen können sich ändern und sollten vor einer Kauf- oder Einführungsentscheidung auf der jeweiligen Produktseite geprüft werden.
Offen sind zudem belastbare unabhängige Werte für Zuverlässigkeit, Latenz, Langzeitkosten und den Aufsichtsaufwand dauerhafter Agenten. OpenAI nennt starke Leistungs- und Geschwindigkeitswerte, doch diese stammen aus Herstellerprüfungen und kontrollierten Produktdemos.
Verfügbar bedeutet nicht automatisch: in Deutschland, in jedem Tarif oder ohne Administratorfreigabe. Maßgeblich ist die aktuelle Produktseite für den eigenen Markt und Vertrag.
So sollten Teams die DevDay-Neuheiten prüfen
Für Entwickler ist GPT-6.1 Sol der einfachste Einstiegspunkt: Ein bestehender, klar begrenzter Agenten- oder Coding-Workflow lässt sich mit denselben Testfällen gegen das bisherige Modell vergleichen. Gemessen werden sollten nicht nur Tokenkosten, sondern auch Laufzeit, Tool-Aufrufe, Abbrüche, fachlich akzeptierte Ergebnisse und menschliche Nacharbeit.
Bei Dots, Computersteuerung und ereignisgesteuerten Plugins ist ein enger Pilot wichtiger. Der Agent sollte zunächst nur lesenden Zugriff oder reversible Aktionen erhalten. Jede Ausführung braucht ein Limit für Zeit, Kosten und Zahl der Aktionen. Für externe Nachrichten, Änderungen an produktiven Daten oder Zahlungen sollte eine menschliche Freigabe Pflicht bleiben.
Teams sollten außerdem dokumentieren, welche Funktion wirklich verfügbar ist, welche Daten sie verarbeitet und wie ein Rückfall auf den bisherigen Prozess funktioniert. So wird aus einer großen Konferenzankündigung ein kontrollierter Test statt eines vorschnellen Plattformwechsels.
- Mit einer klar abgegrenzten Aufgabe und festen Erfolgskriterien starten
- Verfügbarkeit für Markt, Tarif und Workspace vorab prüfen
- Berechtigungen klein halten und kritische Aktionen freigeben lassen
- Kosten pro akzeptiertem Ergebnis statt nur Listenpreise vergleichen
- Abbruch, Protokollierung und Rückfallprozess vor dem Pilot festlegen
Die MindrAils-Einordnung
Der DevDay 2026 zeigt weniger ein einzelnes Überraschungsprodukt als einen Plattformwechsel. Modelle, Codex, Agenten, Plugins und gemeinsame Arbeitsflächen sollen ineinandergreifen. OpenAI möchte damit nicht nur Antworten liefern, sondern dauerhaft an Aufgaben, Software und Teamwissen beteiligt sein.
GPT-6.1 Sol dürfte kurzfristig die greifbarste Neuerung sein, weil Preis, Modellkennung und Zugangswege klar benannt sind. Dots, MCP-Ereignisse und die Agents API mit Computersteuerung könnten langfristig stärker verändern, wie Arbeit organisiert wird. Gerade dort sind Kontrolle, Rechteverwaltung und unabhängige Praxiserfahrung aber noch wichtiger als eine beeindruckende Demo.
Die vernünftige Schlussfolgerung lautet deshalb: Der DevDay enthält viele substanziell neue Bausteine, aber keinen Grund für eine sofortige Komplettumstellung. Wer einen konkreten Workflow auswählt, Verfügbarkeit und Risiken prüft und die Ergebnisse misst, kann die Neuerungen sinnvoll bewerten, ohne Ankündigung und Produktreife zu verwechseln.
Quellen und weiterführende Informationen
Die Quellen wurden zu den jeweils angegebenen Zeitpunkten abgerufen. Externe Inhalte können sich danach ändern.
- DevDay 2026 RecapOpenAI · abgerufen amQuelle öffnen
- Introducing GPT-6.1 SolOpenAI · abgerufen amQuelle öffnen
- Introducing the Agents APIOpenAI · abgerufen amQuelle öffnen
Dieser Beitrag wurde von der MindrAils Redaktion quellenbasiert eingeordnet. Er dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Datenschutz- oder Fachberatung für einen konkreten Einzelfall.
